Alter Friedhof: Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wird saniert

Jürgen Hempeler, Stadtverwaltung Gudensberg, Karl-Wilhelm Feger, Bauunternehmen Fröde und Dieter Giese, Vorstandsmitglied der Gudensberger Heimatfreunde, schauen sich die gereinigten Inschriften auf dem Sarkophag an.Die historischen Grabsteine auf dem Alten Friedhof am Fuße des Gudensberger Schlossbergs gehen bis an den Anfang des 17. Jahrhunderts zurück. Sie sind in Stein gehauene Geschichtsbücher und Ergebnisse neuzeitlicher Steinmetzkunst. Einige Jahrhunderte jünger, aber baugeschichtlich nicht minder interessant ist das Ehrenmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs, welches sich über den alten Grabsteinen erhebt. 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Grund genug für die Stadt Gudensberg, das Ehrenmal zu sanieren, damit heute und in Zukunft das Gedenken an die schrecklichen Geschehnisse wach gehalten werden kann.

Die durch die städtische Bauverwaltung erstellte Mängelliste war lang: Zwar drohten keine statischen Probleme, doch die Bausubstanz des vermutlich aus Weser-Sandstein in 1925 eingeweihten Mahnmales war stark in die Jahre gekommen. Bei den links und rechts des Sarkophages verlaufenen Treppen war es ebenso wie auf dem darüber liegenden Plateau zu starken Setzungen gekommen. Treppenstufen und Platten waren zerbrochen. Auch die Seiteneinfassung war beschädigt, das gesamte Mauerwerk verwittert und stark verunreinigt.

Aus der Bestandsaufnahme der Schäden entwickelte Jürgen Hempeler vom Fachbereich Bauen der Stadtverwaltung das Leistungsverzeichnis für die vermutlich erste Grundsanierung des Objektes. Eine Teilsanierung gab es aber bereits einmal: In 2010 sorgten die Gudensberger Heimatfreunde dafür, dass die Säule instandgesetzt wurde. Auch die in Verlust geratene und beschädigt wiedergefundene „Bekrönung“ wurde saniert und bildet seitdem erneut den symbolträchtigen Abschluss des Turmes.

Baustellentermin am Ehrenmal. An der Spitze der Säule ist das Glaubenskreuz zu erkennen.Auch diesmal sind die Heimatfreunde wieder mit im Boot: Neben der Stadt Gudensberg als Eigentümer des Alten Friedhofes hat deren Vorstandsmitglied Dieter Giese die Baumaßnahme begleitet. Zur Zeit arbeitet Giese an dem Text für eine Tafel, die neben dem Ehrenmal aufgestellt und von den Heimatfreunden finanziert wird. Sie soll Erläuterungen zu den Inschriften auf dem Sarkophag geben.

Diese sind nämlich auch nach der Behandlung nicht komplett lesbar, erläutert Jürgen Hempeler: „Die filigranen Schrifttypen sind zum Teil durch die Witterung abgetragen.“ Sie sollen aber nicht wieder hergestellt werden: „Die Platten, die die Namen der gefallenen Soldaten tragen, wurden vorsichtig gereinigt, um den empfindlichen Sandstein zu schonen“, erklärt Hempeler.

Insgesamt wurde bei der Sanierungsmaßnahme, die in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde vom Bauunternehmen Fröde aus Homberg durchgeführt wurde, darauf geachtet, dass die Zeit künftig weniger Schäden hinterlässt: Um das Ehrenmal herum wurde ein Spritzschutz errichtet. Dieser ermöglicht, dass Regenwasser schneller ablaufen kann. Das Mauerwerk kann so schneller abtrocknen und es entstehen weniger Frostschäden.

Auch ist das Ehrenmal nach der Sanierung viel besser für Besucher zugänglich, sagt Bauleiter Karl-Wilhelm Feger vom Bauunternehmen. Das Bauunternehmen sei seit Anfang Mai an der Baustelle im Einsatz gewesen, in den kommenden Wochen werde das Sandsteinmauerwerk noch verfugt, dann sei die Arbeit getan, erklärt Feger. Rund 40.000 € wurden dann verbaut. Unterstützung erhielt die Stadt Gudensberg durch das Hessische Landesamt für Denkmalpflege, das einen Zuschuss von 6.000 € zur Sanierung des Kulturgutes beisteuerte.

Hintergrund – Kulturgeschichtliches Kleinod
Das Ehrenmal besteht aus zwei wesentlichen Elementen: dem Sarkophag und der Säule. An der Frontseite des Sarkophages unter der Überschrift „Ewig leben, die für uns starben“ sind die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Gudensberg mit Namen und Sterbedatum genannt. Die hinter dem Sarkophag aufragende Säule wirkt orientalisch, was dem Zeitgeist der Bauzeit entspricht. Die Säule schließt mit einer Kugel, die die Erde symbolisiert sowie einem Glaubenskreuz. Erkennbar sind in dem Kreuz Herzformen – diese bedeuten Liebe – und Anker, die als Symbole der Hoffnung gelten.

Glaube – Liebe – Hoffnung stellen in diesem Dreiklang die theologischen Tugenden des Christentums dar. Die Sanierung des Ehrenmals ist die vorerst letzte Maßnahme einer umfangreichen Liste von Baumaßnahmen, die den Alten Friedhof als bedeutsamen kulturgeschichtlichen Ort untermauern. Der Alte Friedhof beherbergt eine Sammlung historischer Grab- und Grenzsteine. An ihm läuft das letzte längere Stück der Gudensberger Stadtmauer entlang, auf das mit einer Metallskulptur hingewiesen wird. Auf dem Friedhof steht das ebenfalls sanierte Predigerhäuschen an seinem angestammten Ort.