Ein Stadtentwicklungsplan für Gudensberg – wie ist er zu verstehen?

Im April 2018 hat die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gudensberg einen Stadtentwicklungsplan beschlossen. Wir stellen hier die Gründe und die Wirkung dieses Planes vor. Der komplette Plan kann am Ende dieses Beitrages als PDF heruntergeladen werden.


Warum wurde der Stadtentwicklungsplan überhaupt entworfen?

Um die Gudensberger Bürgerinnen und Bürger vor unangenehmen Stallgerüchen zu schützen, plant die Stadt die Aufstellung des Bebauungsplanes „Ortsnaher Außenbereich“, durch den – anders als bisher – innerhalb der Kommune Regelungen getroffen werden, die festlegen, an welchen Flächen Tierställe errichtet werden dürfen und wo nicht. Genau diese Festlegung wird mit dem Bebauungsplan „Ortsnaher Außenbereich“ getroffen. Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist der im April 2018 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Stadtentwicklungsplan. Beide Planungen sollen die Gudensberger Bürgerinnen und Bürger vor Stallgerüchen schützen.

Wie verbindlich ist der Plan?

Ein Stadtentwicklungsplan ist ein freiwilliges und unverbindliches Planungsinstrument für Gemeinden. Der Plan kann Möglichkeiten für Wohnbauflächen und gewerbliche Bauflächen aufzeigen. In Gudensberg gab es bereits in der Vergangenheit verschiedene Stadtentwicklungspläne, die nie endgültig waren, sondern immer an die aktuellen Bedürfnisse der Einwohner und der Stadt angepasst wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus dem Stadtentwicklungsplan von 1996, Bereich zwischen Gudensberg und Maden

Der Stadtentwicklungsplan ist keine Festlegung, dass die gekennzeichneten Gebiete auch tatsächlich bebaut werden. Es werden lediglich alternative Möglichkeiten dargestellt. Daher ist es üblich, dass nur ein gewisser Teil der im Plan dargestellten Potenzialflächen im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu Bauflächen entwickelt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus dem Stadtentwicklungsplan von 2018, Bereich südlich von Gudensberg

Wie wird die Öffentlichkeit beteiligt?

Für Flächen, die tatsächlich bebaut werden sollen, sind Bauleitplanverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen. Der Stadtentwicklungsplan begründet kein Baurecht. Er ist ein internes Arbeitspapier der Stadt.

Welche Auswirkungen hat der Stadtentwicklungsplan?

Der Stadtentwicklungsplan schafft kein Baurecht. Die rechtliche Ausweisung eines Baugebietes ist damit nicht verbunden.
Aber: die dargestellten Flächen werden im Bebauungsplan 76 „Ortsnaher Außenbereich“ geschützt wie bereits bebaute Flächen. Damit sollen die Flächen genauso vor Gerüchen durch Tierställe geschützt werden, wie bereits bebaute Gebiete.

Wohnen ohne Stall-Gerüche – Bebauungsplan „Ortsnaher Außenbereich“

Der Bebauungsplan Nr. 76 der Stadt Gudensberg „Ortsnaher Außenbereich“ ist momentan noch im Verfahren. Welche Ziele verfolgen die städtischen Gremien damit? Wir erklären die wichtigsten Punkte:

Warum wird der Plan gemacht?

Die Stadt möchte Einfluss auf den Bau von Tierställen nehmen. Ohne den Plan hat die Stadt keinen rechtlichen Einfluss auf die Standorte. Die Stadt ist nicht die Genehmigungsbehörde für Tierställe.
Der Plan stellt eine städtebauliche Ordnung her. Die Nutzungen „Wohnen/Arbeiten“ und „Ställe“ werden sortiert. Insbesondere sollen Stall-Gerüche in den Siedlungen verhindert werden.

Wer genehmigt Tierställe?

Nicht die Stadt. Zuständig ist die Kreisverwaltung. Mit dem neuen Bebauungsplan sichert sich die Stadt ein Mitbestimmungsrecht.

Was bewirkt der Plan?

Der rechtskräftige Bebauungsplan muss von der Kreisverwaltung beachtet werden. Genehmigungen dürfen dann nicht mehr ausgesprochen werden, wenn der Abstand zu Siedlungen geringer als 500 m ist.

Welche Vorteile hat der Plan noch?

Die Entwicklung von Ställen und die Entwicklung von Siedlungen können sich nicht gegenseitig behindern.
Er bietet eine langfristige Sicherheit für landwirtschaftliche Betriebe, wenn deren Ställe weit genug außerhalb gebaut werden.

Welchen Zusammenhang gibt es mit dem Stadtentwicklungsplan?

Mit dem Stadtentwicklungsplan gilt der 500 m-Abstand nicht nur für die derzeit bebauten Gebiete. Auch die im Stadtentwicklungsplan als mögliche Bauflächen dargestellten Bereiche werden geschützt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schutzzone von 500 m bei Dissen, Auszug aus dem Entwurf Bebauungsplan Nr. 76

Warum ist die Schutzzone nicht größer als 500 m?

Im Bebauungsplan können keine Einschränkungen festgesetzt werden, die unverhältnismäßig sind. Nach Beratung mit Experten wird ein Abstand von 500 m als angemessen und rechtssicher angesehen.

Bauen in Gudensberg – wie geht es weiter?

Baugrundstücke – warum?

Von den 32 in 2018 vergebenen Baugrundstücken wurden 23 an Bewerber vergeben, die in Gudensberg wohnen, früher hier gewohnt haben oder hier arbeiten. Das entspricht einem Anteil von rund 72 %.
Es besteht also stets Nachfrage von Gudensberger Bürgerinnen und Bürgern nach Baugrundstücken. Momentan gibt es in der Kernstadt keine freien Baugrundstücke mehr – allerdings liegen bereits ein gutes Dutzend Anmeldungen von Gudensberger Familien vor.

Wo ist das nächste Baugebiet geplant?

Die Stadtverordnetenversammlung berät in der Sitzung am 18.10.2018 darüber, das Bauleitplanverfahren für ein neues Baugebiet am südlichen Ortsrand von Gudensberg zu beginnen. Nach dem Aufstellungsbeschluss erfolgt dann auch eine öffentliche Bekanntmachung zur Öffentlichkeitsbeteiligung. Damit verbunden ist die Planung für eine neue Zufahrtstraße zur Landstraße 3220 zwischen Gudensberg und Maden, um zusätzliches Verkehrsaufkommen in den bestehenden Siedlungen zu vermeiden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mögliches Baugebiet mit Zufahrtstraße

Welche Maßnahmen zur Innenentwicklung gibt es?

Innenentwicklung bedeutet, die vorhandene Bausubstanz und vorhandene Baufläche vorrangig zu nutzen. Hierzu haben die städtischen Gremien das seit 2011 laufende Förderprogramm „Leben im Stadt- und Ortskern“ beschlossen, weiterhin gibt es ein Baulückenkataster, Nachverdichtungen sowie Umnutzungen und – im September wurde die Stadt Gudensberg in das Städtebauförderprogramm „Aktive Kernbereiche“ aufgenommen. Durch Innenentwicklung werden zusätzliche Bauflächen im Außenbereich „eingespart“.

Was ist das Förderprogramm „Leben im Stadt- und Ortskern“?

Für bestimmte bauliche Maßnahmen im Fördergebiet gewährt die Stadt Gudensberg Zuschüsse von 20 %. Seit dem Start des Förderprogramms sind bereits 40 private Maßnahmen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von ca. 2,5 Mio. € gefördert worden.
Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

Was bedeutet Baulückenkataster?

Das Baulückenkataster ist ein Verzeichnis unbebauter Grundstücke, die zum Verkauf stehen. Seit 2005 wurden 33 Grundstücke an neue Eigentümer vermittelt und bebaut. Eigentümer von Baulücken können sich im Rathaus melden. Die Aufnahme in das Verzeichnis ist kostenfrei.

Was sind Beispiele für „Nachverdichtung“ und Umnutzungen?

Momentan wird an der Ecke „Schwimmbadweg/Breslauer Str.“ ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Vor ca. 10 Jahren wurde im Bereich „Auf dem Fass“ das Gelände eines früheren Bauernhofes als Baugrundstücke erschlossen. In der Untergasse wurde die ehemalige Bäckerei Brede abgerissen, ein neues Wohn- und Geschäftshaus ist entstanden.

Was heißt Städtebauförderung im Programm „Aktive Kernbereiche“?

Aus dem Förderprogramm „Aktive Kernbereiche“ wird Gudensberg erhebliche Fördermittel vom Bund und Land erhalten. Das Programm fördert Städtebauprojekte, die das Wohnen in den zentralen Lagen, die Funktions- und Angebotsvielfalt, die Aufenthaltsqualität, eine stadtverträgliche Mobilität und das Engagement Privater nachhaltig unterstützen und sichern.

Unterstützt werden also nicht nur öffentliche, sondern auch private Vorhaben.
Alle geplanten Maßnahmen müssen sich in ein integriertes städtebauliches Konzept einfügen, welches jetzt erarbeitet wird. Daran werden die Bürger beteiligt. Einladungen zur Bürgerbeteiligung werden noch veröffentlicht. Das Fördergebiet umfasst die Gudensberger Altstadt einschließlich Teilbereiche von Kasseler, Fritzlarer und Besser Straße.

Der Stadtentwicklungsplan Gudensberg 2018 zum Herunterladen