EU-2-Bürger: Dialog für eine gelingende Integration

Treffen im „F26“: Bürgermeister Frank Börner (stehend Mitte) im Gespräch mit EU-2-Bürgern. „Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen.“ Dieser dem Schweizer Schriftsteller Max Frisch zugeschriebene Satz sollte auch heute bedacht werden, wenn es um die Lebenssituation von Migranten in Deutschland geht. Menschen, die angesichts des Arbeitskräftemangels in vielen Branchen dazu beitragen, dass die Wirtschaft funktioniert, die aber auch hier leben und soziale Bedürfnisse mitbringen. Das Zusammenleben von alteingesessenen und neuen Bürgern funktioniert nicht ohne Konflikte. Im Dialog können sie besprochen und ausgeräumt werden. Mit diesem Ziel traf sich kürzlich Gudensbergs Bürgermeister Frank Börner im Kommunikationszentrum „F26“ mit Neubürgern, die überwiegend aus Bulgarien kommen und in Gudensberger Industriebbetrieben beschäftigt sind.

Zu Beginn richtete Börner einen Appell an die Teilnehmer des Treffens: „Voraussetzung einer gelingenden Integration ist die Möglichkeit, sich verständigen zu können. Bitte machen Sie daher von den Deutsch-Kursen, die wir fördern, regen Gebrauch.“ Die Sprache sei Voraussetzung, am gesellschaftlichen und sozialen Leben der Stadt teilnehmen zu können. „Wer hat keine deutschen Freunde?“, fragte der Bürgermeister. Alle Arme blieben unten. „Gehen Sie in die Vereine, die Deutschen sind Vereinsmenschen. Dort hat man viele Möglichkeiten, gemeinsam seinen Interessen nachzugehen“, sagte Börner. Auch die Anregung, bei einem Markt wie vor Ostern oder beim Schmeckefuchs kulinarische Spezialitäten aus der Heimat zu präsentieren, nahmen die Teilnehmer mit.

Integrationsberater Biser Ivanov (stehend Mitte) unterstützt die überwiegend aus Bulgarien stammenden Neubürger. Dass sie in Gudensberg durchaus eine längerfristige Perspektive sehen, machten einige Teilnehmer deutlich. An diese Entscheidung schließen sich Fragen an, die ausführlich besprochen wurden: Wo gibt es freien und bezahlbaren Wohnraum? Welche Möglichkeiten haben Personen, die sich mit der Gründung eines eigenen Unternehmens beschäftigen? Welche Absicherungen gegen Lebensrisiken sind zu empfehlen? Werden in Gudensberg weitere Arbeitsplätze entstehen? Für diese Fragen konnten die Neubürger Empfehlungen und aktuelle Informationen mit nach Hause nehmen.

Breiten Raum nahmen Sicherheitsfragen ein. Bürgermeister Börner betonte, dass häufig aus der Bürgerschaft angemahnt werde, etwas für das Sicherheitsgefühl der Bürger/innen zu tun. Dies konnten die Teilnehmer bestätigen und schilderten als unangenehm und bedrohend empfundene Ereignisse. Börner erläuterte, dass die Stadt gemeinsam mit den Polizeibehörden aktiv sei: 2019 solle der neue Freiwillige Polizeidienst in Gudensberg starten. Das „Kompass“-Projekt sehe die stärkere Einbindung der Bürgerschaft in Sicherheitsfragen vor und habe als Ziel einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Sicherheitslage, der anschließend umgesetzt werden solle.