Gedenkstunde erinnerte an Pogromnacht vom 9. November 1938

Die Teilnehmer/innen der Gedenkstunde gedachten der Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938. Foto: Rainer SanderVor 80 Jahren fanden im gesamten damaligen Deutschen Reich Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger statt. An die Geschehnisse erinnerte im Gudensberger Kulturhaus Synagoge eine Gedenkstunde, die wie in den vergangenen Jahren von der Stadt Gudensberg, den christlichen Kirchen, der Dr.-Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) und der Arbeitsgruppe Stolpersteine getragen wurde.

Die Gedenkstunde in diesem Jahr knüpfte einerseits an die 80. Wiederkehr der Pogrome in zahlreichen deutschen Städten und Gemeinden an, zum anderen stellten die Mitwirkenden die Frage nach den gemeinsamen christlichen und jüdischen Wurzeln. „Woher wird mir Hilfe kommen?“ ist ein Zitat aus dem Psalm 121, der in der christlichen wie auch in der jüdischen Liturgie genutzt wird.

Schülerinnen und Schüler erläuterten, was ihnen die Psalmen heute sagen. Foto: Rainer SanderIn der Gedenkstunde wurden Psalmen in der christlichen (deutschen) und in der jüdischen (hebräischen) Fassung gegenübergestellt. Pastor Michael Klippert las die Psalmen in der deutschen Fassung, Deborah Tal-Rüttger trug die hebräische Urfassung vor. Schüler und Schülerinnen der GAZ stellten anschließend ihre Interpretationen vor, die sie im Unterricht erarbeitet hatten und versuchten, aktuelle Bezüge abzuleiten. Sie stellten zunächst ihre Schwierigkeiten vor, die sie mit den Texten hatten, die weit von der heutigen Alltagssprache entfernt sind. Anschließend entzündeten die Schüler Kerzen, um an die Mitglieder der damaligen jüdischen Gemeinde zu erinnern.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Stadtrat Werner Pilgram die Notwendigkeit eines anhaltenden Gedenkens hervorgehoben. „Den unlängst bekannt gewordenen Übergriffen auf jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger müssen wir gemeinsam und entschieden entgegentreten.“ Die Herausforderung heutigen Gedenkens bestehe darin, „Erinnerung sichtbar zu machen, die Grausamkeit der damaligen Ereignisse vor Augen zu führen und die Wachsamkeit zu schärfen, dass sich so etwas heute und morgen nicht wiederholt“, sagte Pilgram.