Gudensberger Feuerwehrleute schulen Feuerwehr in ukrainischer Partnerstadt Schtschyrez

Die Freiwilligen Feuerwehren Gudensberg und Schtschyrez bei der Löschübung auf einem Torffeld.Die Freiwilligen Feuerwehren Gudensberg unterstützen die Partnerstadt Schtschyrez beim Aufbau ihrer Feuerwehr. Dazu reisten Mitte September Feuerwehrkameraden unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Markus Iffert in die Ukraine. Zwischenzeitlich hatten die dortigen Kameraden wichtige Ausrüstungsgegenstände, wie z. B. Schläuche in verschiedenen Dimensionen, erhalten.


Bisher gibt es keine institutionelle Brandbekämpfung in Schtschyrez. Die zuständige Feuerwehr ist in der Kreisstadt Pustomyty stationiert, was beim Zustand der Straßen lange Zeit eine Anfahrt von bis zu 30 Minuten bedeutet hatte. Inzwischen hat sich die Fahrzeit durch den Straßenausbau etwas verkürzt. Die deutsche Alarm- und Ausrückzeit von zehn Minuten wird aber keinesfalls erreicht.

In Schtschyrez gibt es zudem ein besonderes brandtechnisches Problem: große Torflagerstätten im Umland, die von einer Erdgasleitung überquert werden. Der Torf schwelt im Brandfall von oben nach unten durch, was das Löschen erschwert und eine lange Beobachtung des Brandherdes erfordert. Im Falle eines Torfbrands besteht auf Grund der Erdgasleitung eine existentielle Gefahr für die Stadt. Der erste Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Schtschyrez führte dann auch 2016 auf ein Torffeld. Ein weiteres Problem besteht im Fehlen einer zentralen Wasserversorgung mit Löschwasser-Hydranten. Das Wasser muss aus dem Fluss Schtschyrka, aus Bächen oder Brunnen gepumpt werden.

Mit Unterstützung von Übersetzerin Iryna Mykytka wird die Funktionsweise der Pumpe genau erklärt und vorgeführt.Die Schulung bestand deshalb aus zwei Teilen: der Bestückung der Löschfahrzeuge und einer Einsatzübung. Mit lauter Sirene fuhr man an den Fluss, wo die Gudensberger Kameraden die Benutzung der Pumpe erklärten. Sie zeigten auch das Verbinden und Ausrollen der Schläuche. Die Schtschyrezer Feuerwehrleute versuchten im Tempo mitzuhalten, was noch nicht ganz gelang. Sie sind aber auf einem guten Weg und waren für die Einsatzübung sehr dankbar.

Der Termin für die Schulung war klug gewählt worden, konnte man doch so auch Bürgermeister Oleg Vasylyshyn zu seinem 50. Geburtstag gratulieren. Bei der Geburtstagsfeier tauschten die Feuerwehrleute aus den Partnerstädten mit Hilfe der Übersetzer ihre Erfahrungen aus. Natürlich muss die Schtschyrezer Feuerwehr noch wachsen, was nicht einfach ist. Eine Freiwillige Feuerwehr gab es in der sowjetischen Zeit nicht und auch kein Ehrenamt. So müssen Kandidaten überzeugt und in Deutschland schon lange bestehende Strukturen erst aufgebaut werden.

Die Schulung wurde aus einem Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung über ein Programm von Engagement Global finanziert. Durch solche Projekte werden Städtepartnerschaften unterstützt. Die deutschen Beteiligten lernen dabei Land und Leute kennen und erweitern so ihren Horizont. Das Problem der Torfbrände zum Beispiel kannten die Gudensberger Feuerwehrleute noch nicht. (Dr. Eberhardt Kettlitz)