Neue Kindertagesstätte mit Multifunktionsraum in Maden

Das Gebäude erhält eine L-Form und schließt neben der Kita einen Multifunktionsraum ein. Gudensberg ist eine attraktive Wohnsitzkommune, vor allem für viele junge Familien. Die Infrastruktur ist gut, Steuern und Gebühren sind günstig. Mit dem Einwohnerzuwachs und immer mehr Arbeitsplätzen vor Ort wächst allerdings auch der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen. Davon gibt es momentan 375, verteilt auf die Kindergärten im Kastanienweg, am Grabenweg/Holzweg, im Familienzentrum und an der Odenbergschule.

Um auch zukünftig ausreichend Betreuungsplätze anbieten zu können, soll eine neue Kindertagesstätte nun erstmals nicht mehr in der Kernstadt, sondern im zweitgrößten Stadtteil Maden gebaut werden. „Damit möchten wir den Ort beleben“, sagt Bürgermeister Frank Börner. Gleichzeitig soll das verbaute alte Dorfgemeinschaftshaus durch einen Mehrzweckraum ersetzt werden. Denn das jetzige Dorfgemeinschaftshaus sei schlecht ausgelastet und nicht mehr zeitgemäß, erläutert Börner.

Das Haus sei energetisch veraltet, nicht barrierefrei, durch die verwinkelten Räume nur bedingt nutzbar. All diese Probleme wären mit dem Neubau einer Einrichtung am Ortsrand von Maden zu lösen, so der Bürgermeister. Die benötigten Räume würden in die Kindertagesstätte integriert. Durch die Mehrfachnutzung würde der Madener Sportverein endlich auch die dringend benötigten Übungsräume erhalten. Die provisorische Mitnutzung der Räume des Tennisvereins könnte entfallen.

Bürgermeister Börner wies in 2 Informationsveranstaltungen im Juni und im September auf viele Synergiereffekte hin, die sich durchaus kostensparend auswirken würden, erreichbar durch die gemeinsame Nutzung des Multifunktionsraumes, der Parkplätze, des Kinderspielplatzes, der sanitären Anlagen oder der Aufenthaltsräume (Foyer). Für die Madener Bürger könnte ein idealer Treffpunkt für Jung und Alt entstehen. Das sei sehr wichtig in einer Zeit, wo sich die Menschen immer mehr aus dem gesellschaftlichen Dorfleben und dem Vereinsgeschehen zurückziehen.

Die Skizze zeigt den Standort der neuen Kita am Ortsrand von Maden Richtung Obervorschütz. Mit einem Grundsatzbeschluss haben das Gudensberger Stadtparlament und der Madener Ortsbeirat grünes Licht für das Projekt gegeben. Trotzdem gibt es viel Kritik, vor allem von Seiten der direkten Anwohner.

Der Bürgermeister stellte sich den vielen Fragen. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen sind hier noch einmal zusammengefasst.

1. Warum wird eine weitere Kita benötigt?

Die Stadt Gudensberg ist gesetzlich verpflichtet, ausreichend Plätze zur Kinderbetreuung anzubieten. Sie hat darüber hinaus den Anspruch, eine familienfreundliche Kommune zu sein. Aus mehreren Gründen wächst der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen:

  • Statt wie früher mit drei Jahren werden immer mehr Kinder bereits im Alter von einem oder zwei Jahren in eine Kita aufgenommen.
  • Wegen der zunehmenden Berufstätigkeit beider Elternteile wächst auch der zeitliche Bedarf an Kinderbetreuung.
  • Nach der aktuellen Einwohnerstatistik für Gudensberg werden in den kommenden fünf Jahren 58 zusätzliche Kita-Plätze benötigt. Für Maden und Obervorschütz besteht ein Bedarf von 81 Plätzen, also eine vollständige Kindertageseinrichtung. Ein Kita-Platz ist allerdings nicht gleichbedeutend mit einem Kind. Ein Kind im Alter von 1-2 Jahren z.B. belegt 2,5 Plätze. Mit 10 Kindern im Alter von 1-2 Jahren ist eine Gruppe mit 25 Plätzen belegt. Kinder im Alter von 2-3 Jahren belegen je 1,5 Plätze.

2. Können nicht die vorhandenen Kitas ausgebaut werden?

Am Anfang der Planungen stand eine Prüfung der vorhandenen Kita-Standorte. Ergebnis: Von den drei vorhandenen Standorten ist nur einer (Kastanienweg) erweiterbar, jedoch nur um einen Gruppenraum. Das reicht nicht aus und bietet keine Entwicklungsmöglichkeit.

3. Welche neuen Standorte wurden geprüft?

Nächster Schritt war die Prüfung verschiedener möglicher neuer Standorte. Geprüft wurden die Standorte Steinzeitsiedlung (Gudensberg), das in Vorplanung befindliche Neubaugebiet Gudensberg-Süd und ein Standort in einem Stadtteil. Die Ergebnisse dieser Prüfung beantworten wir in den Fragen 4 und 5.

4. Warum wird die Kita nicht in der Steinzeitsiedlung und nicht im Baugebiet Gudensberg-Süd gebaut?

In der Steinzeitsiedlung wohnen derzeit 371 Einwohner, nach Fertigstellung des Wohnbauprojektes der VR-Partnerbank ca. 500 Einwohner. Die Stadtteile Maden und Obervorschütz haben dagegen zusammen 2271 Einwohner und könnten damit langfristig einen eigenen dreigruppigen Kindergarten füllen. Das wäre bei einem Kindergarten in der Steinzeitsiedlung nicht der Fall.

Ein Standort in einem etwaigen zukünftigen neuen Baugebiet „Gudensberg Süd“ ist z. Zt. nicht zu realisieren, weil es dazu noch keinerlei Baurecht gibt. Dieses Baugebiet kann erst in den nächsten Jahren entwickelt werden, sofern dies so von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen würde.

5. Warum soll die Kita in Maden gebaut werden?

Wichtig ist der bereits oben erwähnte größere Einzugsbereich. Die Kita soll Kinder aus den beiden größten Stadtteilen Obervorschütz und Maden aufnehmen und ist von dort auf kurzem Weg erreichbar. Zudem bilden Obervorschütz und Maden bereits einen Grundschulbezirk. Nach dem Bau würde also Obervorschütz über die Grundschule, Maden über die Kita verfügen. Eine ausgeglichene und nützliche Aufteilung. Das für den Bau vorgesehene Grundstück ist verkehrsgünstig am Ortsausgang Richtung Obervorschütz gelegen. Das Grundstück ist zwei Baureihen von der jetzigen Bebauung entfernt. Weitere Synergien stellen sich durch die Einbeziehung eines Multifunktionsraumes in das Gebäude ein.

6. Warum kann das alte DGH nicht weitergenutzt werden?

Das derzeitige DGH von Maden bietet für wachsende Nutzungsansprüche keine Perspektive. Die Saalfläche dort ist deutlich kleiner als die in den anderen DGHs und verwinkelt. Das Haus stammt aus den 1950er Jahren und kann nicht sinnvoll erweitert werden. Um Barrierefreiheit zu schaffen, um heutige energetische Standards zu realisieren und um die benötigten Flächen zu schaffen, würde ein unverhältnismäßiger Aufwand entstehen. Eine Sanierung wäre daher ökonomisch nicht vertretbar. Auch eine Erweiterung um eine Kita ist hier nicht möglich. Dies scheitert bereits an der zu geringen Größe des Grundstücks.

7. Passen eine Kita und ein Multifunktionsraum zusammen?

Durch den Bau einer Kita mit Multifunktionsraum ergeben sich vielfältige Synergien. Alle Bevölkerungsgruppen profitieren von der neuen Einrichtung: Der Multifunktionsraum kann tagsüber von Gruppen der Kita als Bewegungsraum und am Abend von Vereinen und anderen Gruppen genutzt werden. Für Vereine besteht ein großer Bedarf, der derzeit nicht erfüllt werden kann. Die Einrichtung kann so ganztägig zum barrierefreien Ort der generationsüberschreitenden Begegnung und der Kommunikation werden. Dieser Aspekt wird durch die Gestaltung der Raumzuschnitte unterstützt: Im großen Foyer ist genügend Platz für die Begegnung, auch könnte eine Café-artige Situation geschaffen werden.

8. Was passiert mit dem alten DGH?

Da in Gudensberg eine anhaltende Nachfrage nach Wohnraum besteht, könnte das Gebäude nach Eröffnung der neuen Einrichtung zu Wohn- oder Gewerbezwecken veräußert werden. Der Erlös wird zur Mitfinanzierung des Neubaus verwendet.

9. Wie sollen die weiteren Planungen laufen?

Die Stadt Gudensberg legt Wert auf eine breite Beteiligung ihrer Einwohner. Daher hat bereits im Juni 2018 die erste Informationsveranstaltung stattgefunden. Mit der Veranstaltung im September wurden weitere aktuelle Informationen gegeben.

Im Rahmen des Bauleitverfahrens werden die Pläne ausgelegt, sobald der Vorentwurf des Bebauungsplanes ausgearbeitet ist, dies soll bis Ende des Jahres erfolgen. Es besteht die Möglichkeit, im Bauleitplanverfahren eine Stellungnahme abzugeben. Gleichzeitig werden andere Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange beteiligt.

Grafik: Architekturbüro Gerlach