Partnerschaftsarbeit der Stadt Gudensberg: Unter den „TOP 3“ beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis

Bundesminister Dr. Gerd Müller (4.v.l.) überreichte die Auszeichung an die Bürgermeister Frank Börner (2.v.l.) und Oleh Vasylyshyn (2.v.r.). Foto: Jochen RolfsDie Stadt Gudensberg gehört zu den „TOP 3“, die sich in Partnerschaften erfolgreich für die Umsetzung der Agenda 2030 engagieren und dafür mit ihren Partnern von Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller ausgezeichnet wurden. Die Auszeichnungen wurden im Rahmen einer großen Gala beim 11. Deutschen Nachhaltigkeitstag im Dezember in Düsseldorf überreicht.

„Die nominierten Partnerschaften sind hervorragende Beispiele für eine gelingende globale Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe. Das Bewerberfeld zeichnete sich durch besonders vorbildlichen Einsatz für die Agenda 2030 aus“, sagte Stefan Schulze-Hausmann, Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

In einem mehrstufigen Wettbewerb stellten die Kommunen und Unternehmen aus Deutschland ihre Kooperationen mit Partnern im globalen Süden zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) dar. Experten des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) und der internationalen Unternehmensberatung A.T. Kearney werteten die Bewerbungen aus und ermittelten die Preisträger.

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist die nationale Auszeichnung für Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunen und Forschung. Mit fünf Wettbewerben (darunter der Next Economy Award für „grüne Gründer“), über 800 Bewerbern und 2.000 Gästen bei den Veranstaltungen ist der Preis der größte seiner Art in Europa. Die Auszeichnung wird vergeben von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung. Weitere Informationen unter: www.nachhaltigkeitspreis.de.

Die Begründung der Jury

Die recht junge Partnerschaft zwischen den beiden Kleinstädten Gudensberg in Nordhessen und Schtschyrez in der Ukraine besteht seit 2013 und wurde 2016 in einem Partnerschaftsvertrag formalisiert. Im Fokus der durch die Agenda 2030 geprägten Maßnahmen stehen vor allem Daseinsvorsorge und Nachhaltigkeit.

Ein im Rahmen der Partnerschaft durchgeführtes Projekt ist der Aufbau einer Freiwilligen Feuerwehr in Schtschyrez. Diese löste das Problem von Engpässen, die entstanden, da die Berufsfeuerwehr in der zehn Kilometer entfernten Kreisstadt eine große Region abdecken musste. Die Qualifizierungsmaßnahmen in Schtschyrez für Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehrleute aus beiden Städten, war für beide Seiten eine besondere Erfahrung. Während das Team aus Schtschyrez von Schulungen und Wissenstransfer zur institutionalisierten Brandbekämpfung profitierte, konnte das Team aus Deutschland unter völlig anderen Bedingungen üben, seine Flexibilität für den Ernstfall trainieren und das eigene Arbeiten reflektieren.

Ein weiteres Projekt ist die Planung und Realisierung einer zentralen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in Schtschyrez. Im Rahmen dieses Vorhabens ist das innovative Verfahren der Klärschlammvererdung vorgesehen, welches bisher in der Ukraine nicht existiert und somit ein Pilotprojekt darstellt. Ergänzt werden diese Aktivitäten von einer Vielzahl an sportlichen und kulturellen Begegnungen und Projekten der Zivilgesellschaft und einer jährlich stattfindenden Jugendbegegnung, mit einem demokratie- und europabezogenen Bildungsprogramm. Beide Städte profitieren sehr von dem regen Kulturaustausch.

Entwicklungspolitisch dienen die gemeinsamen partnerschaftlichen Aktivitäten dem Aufbau und der Verbesserung der Daseinsvorsoge in Schtschyrez, dem Umweltschutz sowie der Förderung der europäischen Integration und einem friedlichen Zusammenleben.

Besonders beeindruckend ist der breite Multiakteursansatz, der die Partnerschaft auszeichnet. Die Verwaltung der Stadt Gudensberg ist mit verschiedenen Fachbereichen an der Städtepartnerschaft beteiligt; durch die gemeinsamen Unternehmungen und Projekte verbessern die MitarbeiterInnen ihre interkulturellen Kompetenzen. Außerdem ist der Partnerschaftsverein, der das zivilgesellschaftliche Engagement bündelt, sehr aktiv. Externe ExpertInnen werden projektweise hinzugezogen und lokale und regionale Unternehmen unterstützen die Partnerschaft mit Sach- und Finanzspenden, eigenem Personal und Fachwissen.

In Schtschyrez engagieren sich neben dem Bürgermeister und der Stadtverwaltung viele zivilgesellschaftliche Gruppen und die Menschen vor Ort werden durch die praxisnahen Projekte gut mit eingebunden. Eine Besonderheit an der Partnerschaft ist, dass einige der Maßnahmen in einer Dreieckskooperation mit Jelcz-Laskovice in Polen durchgeführt werden. Die Jury würdigt das vielschichtige bürgernahe Engagement mit einer Platzierung unter die Top 3 der Kategorie „Kommunale Partnerschaften“.

Quelle: www.nachhaltigkeitspreis.de