„Wer flieht, verliert sein Leben“ – Gedenkstunde zur Pogromnacht am 9.November

Gedenkstunde an die Pogromnacht am 9. November im Kulturhaus Synagoge Foto: Rainer SanderGudensbergs Erster Stadtrat Walter Berle und Gerd Kühl von der Dr.-Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) haben während der Gedenkstunde zur Pogromnacht am 9. November dazu aufgerufen, den Geschehnissen der NS-Zeit, die 1938 mit den Pogromen gegen jüdische Mitbürger bis dato einen Höhepunkt erreichten, in der nationalen wie auch in der regionalen Gedenkkultur einen anhaltenden Platz einzuräumen. Bei der Gedenkstunde im Kulturhaus Synagoge hatten Schüler/innen der GAZ an das Schicksal zweier jüdischer Familien aus Gudensberg erinnert, die ihre Heimat verlassen mussten. Während einige von ihnen aus Deutschland entkommen konnten, wurden andere deportiert und in Konzentrationslagern ermordet.

Unter dem Titel „Wer flieht, verliert sein Leben“ stellte eine Schülergruppe der Klasse 10a und 10b mit Lehrerin Martin Brunkow-Winterstein die lange in Gudensberg ansässigen Familien Elias und Naschelsky vor, ließen die Familienmitglieder und somit ein Stück Lokalgeschichte lebendig werden. Julius und Fredericke Naschelsky waren bekannte und erfolgreiche Geschäftsleute, die sich vor den Verfolgungen durch die Nazis bereits 1934 durch Flucht retteten. Insbesonders Julius Naschelsky litt aber bis zum Ende seines Lebens an den Folgen der Verfolgung.

Veronika Ockert, Paula Ebner, Tom Sohl, Maresa Althof und Silia Stieler (v.l.n.r.) stellten das Schicksal zweier jüdischer Familien vor. Foto: Rainer SanderMarkus Elias, Inhaber eines Schuhgeschäftes, versuchte, sich den Verfolgungen durch Flucht nach Hamburg zu entziehen, starb dort aber an den Misshandlungen, die er noch in Gudensberg erlitt. Seine Frau Veilchen wird später im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Zwei Töchter der Familie überlebten den Holocaust durch Flucht nach England bzw. USA. Die Schüler hatten sich im Rahmen des Geschichtsunterrichts in den letzten Monaten mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt und waren dabei intensiv auf die Geschichte der jüdischen Gemeinde Gudensbergs eingegangen.

Zum Abschluss entzündeten die Schüler Kerzen, um an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu erinnern. In Gudensberg ist es Tradition, in einer breit getragenen Gedenkstunde an die reichsweite Pogromnacht vom 9. November 1938 zu erinnern. Auch 2017 luden die Stadt Gudensberg, die christlichen Kirchen, die Dr.-Georg-August-Zinn-Schule und die Arbeitsgruppe Stolpersteine gemeinsam zu einer Gedenkveranstaltung in das Kulturhaus Synagoge ein, an der rund 80 Bürger/innen teilnahmen.