20. Neujahrsempfang – Dr. Udo Haase aus Schönefeld war Gastredner

Der Gastredner des Gudensberger Neujahrsempfangs, Dr. Udo Haase, Bürgermeister a.D. der Stadt Schönefeld, (Bildmitte) trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Links Stadtverordnetenvorsteher Walter Pippert, rechts Bürgermeister Frank Börner. Foto: Rainer Sander Die Gudensberger Neujahrsempfänge haben inzwischen eine lange Tradition. Bereits zum 20. Mal hatte die Stadt eingeladen. Die Idee hatte der frühere Bürgermeister und Mitglied des Bundestages, Dr. Edgar Franke. Nicht ganz frei von den Ereignissen in Hanau konnte Bürgermeister Frank Börner die etwa 400 Gäste in diesem Jahr in Gudensberg begrüßen.

„Wir trauern um die Opfer der rechtsradikalen und rassistischen Terrortat in Hanau. Nach der feigen Ermordung unseres Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübke durch einen bekennenden Neonazi ist dies ein weiterer Angriff auf die Grundwerte unserer Demokratie“, so Börner zu Beginn seiner Ansprache.

Als Gastredner konnte Börner den früheren Bürgermeister der Stadt Schönefeld, dort, wo der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) entsteht, begrüßen. Er folgte einer 20-jährigen Tradition interessanter Redner vom ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, bis zu Reinhard Stieglitz, dem ehemaligen Geschäftsführer der Raiffeisen Warenzentrale GmbH. Gudensberg, so Börner, habe in den letzten 20 Jahren eine sehr positive Entwicklung erlebt: Die Einwohnerzahl sei um etwa 8 Prozent gestiegen, von 8963 im Jahr 1999 auf jetzt 9707. 2230 Menschen arbeiten in Gudensberg, 550 mehr als vor 15 Jahren. Von Investitionen profitiere die gesamte Wirtschaft der Region. Eine der bedeutendsten ist die neu hinzugekommene Rudolph-Logistik Gruppe.

Eine besondere Herausforderung für die nächsten Jahre ist nicht nur die Digitalisierung, sondern auch die weitere Entwicklung der Stadt. Die sogenannte Smart-City wird nachhaltig gestaltet und soll die Lebensqualität verbessern. Mit schnellem Internet hat der Partner Netcom die Grundlage gelegt, jetzt geht es um Glasfaser bis ins Haus. Gleichzeitig sollen Wachstum und Weiterentwicklung nicht um jeden Preis geschehen. Gudensberg wächst, aber die städtischen Gremien seien sich einig: Flächensparendes und verdichtetes Bauen hat Vorrang, junge Familien und ehrenamtlich engagierte Bürger werden zukünftig bei der Vergabe von Bauplätzen bevorzugt.

Eine neue Stadtmauer werde es aber nicht gegeben, so Börner, Gudensberg sei Teil der globalisierten Welt und auch Gudensberger Unternehmen sind international aktiv und haben holländische, belgische, französische, amerikanische oder japanische Eigentümer: „Wir alle profitieren von Welthandel, die Wirtschaft hat Hochkonjunktur, uns geht es gut.“
Zahlreiche Gäste aus dem Gudensberger Vereinsleben, darunter viele Ehrenamtliche, die Vertreter der Banken und Organisationen, aber auch der zahlreichen Gewerbebetriebe und Mitglieder des Gewerbevereins kamen im Bürgerhaus zusammen, um gemeinsam das neue Jahr zu gestalten. Auch viele Bürger folgten der Einladung.

Gelebte Städtepartnerschaften
Tradition beim Neujahrsempfang in Gudensberg haben die Besuche der Bürgermeister Bogdan Szczęśniak aus Jelcz-Laskowice (Polen) und Oleg Vasylyschyn aus Schtschyrez (Ukraine) mit ihren Delegationen. Bogdan Szczęśniak erinnerte an den Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung in Polen, der für seine Stadt eng mit Gudensberg verknüpft ist. Er übergab Bürgermeister Frank Börner unter anderem Dokumente aus der deutschen Vergangenheit seiner Heimatstadt.

Es ist eine ehrliche Partnerschaft entstanden und die wird in diesem Jahr mit dem 10-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft in Jelz-Laskovice im Oktober gefeiert. Mit dabei die Stadt Schtschyrez, die inzwischen ebenfalls Gudensbergs Partner ist. Eine solche Dreiecksbeziehung, erinnerten die beiden Gäste, gibt es sonst nicht zwischen diesen drei Ländern. Aus Schtschyrez brachte Oleg Vasylyschyn Keramik mit. Ein kleines Glöckchen war dabei: Eine kleine Freiheitsglocke?

Schönefeld: Eine brandenburgische Erfolgsgeschichte
Eine innerdeutsche Freundschaft ist zwischen Gudensberg und Schönefeld entstanden. Dessen ehemaliger Bürgermeister Dr. Udo Haase und Frank Börner haben sich auf einer Auslandsreise nach Kirgisien und in die Mongolei kennengelernt und schon mehrmals gegenseitig besucht. Es gibt tatsächlich einen Radweg von Schönefeld nach Gudensberg mit einer Länge von 315 Kilometern. Der Chor aus Gudensberg-Gleichen sang zur Eröffnung in Schönefeld das Hessenlied.

„Schönefeld ist das Bayern Brandenburgs“, so zitierte Bürgermeister Frank Börner die örtliche Zeitung. Selbst der Landkreis Dahme-Spreewald braucht keine Schlüsselzuweisungen, als einziger in den neuen Bundesländern, denn für die Hälfte des Kreisetats sorgt die Stadt mit dem Flughafen und den Gewerbegebieten drumherum sowie an der Autobahn.

An 5. Stelle der Pro-Kopf-Einnahmen in Deutschland liegt Schönefeld aktuell, vier Kommunen in Bayern und Baden-Württemberg stehen noch besser da. Die Entwicklung nach der Wende beschrieb Haase nur kurz. Was im Bewusstsein aller stets präsent ist, das sind die Dinge, die nicht so gut funktionieren. Schönefeld hat einen gut funktionierenden Flughafen, der Geld in die Kassen des Ortes spült, aber der zukünftige, neue Flughafen ist seit 2006 im Bau, am 31. Oktober 2020 soll er eröffnet werden.

Die Leidensgeschichte der Planer und Verantwortlichen ist bekannt. Das begann schon damit, dass die ursprüngliche Bezeichnung BBI für Berlin Brandenburg International nach dem IATA-Code schon an einen indischen Flughafen vergeben war. BER war immerhin noch zu haben. Dr. Udo Haase sieht die Ursachen des Desasters in falsch definierten Wunschzetteln, falschen Baukosten, mangelnder Kommunikation und einem fehlenden Dirigenten. Ein Orchester werde auch nicht von Baumeistern geleitet. Die Zeit mit Hartmut Mehdorn habe er genossen. Der wollte kein Diplomat werden und war es auch nicht.

Pippert: Gefühl des Neuanfangs für Mut und Kraft bewahren
Stadtverordnetenvorsteher Walter Pippert hoffte in seinen Schlussworten, dass die Gudensberger das Gefühl des Neuanfangs für Mut und Kraft bewahren. Der Neujahrsempfang sei stets die Gelegenheit zum Austausch: „Es ist in einer Kommune wichtig, miteinander zu sprechen…“ Dabei lobte er die gelebte Streitkultur: „In Gudensberg wird vorher geredet!“ Für ihn ist in der Tagespolitik Nachhaltigkeit wichtig: „Ich werde nicht mehr alle Folgen des Klimawandels erleben. Aber unsere Kinder und Enkel.“

Die Moderation hatte an diesem Abend Schmeckefuchs Thomas Hof übernommen, der Gudensberger Chor „Die Ohrwürmer“ sorgte für den musikalischen Rahmen. Nach dem Eintrag des Ehrengastes in das Goldene Buch der Stadt ging der Neujahrsempfang über in den geselligen Teil mit Gesprächen und Begegnungen. (rs)

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