80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen: Partnerstädte unterzeichnen Friedenserklärung

Für eine Zukunft ohne Krieg (v.l.): Die Bürgermeister Frank Börner (Gudensberg), Bogdan Szczesniak (Jelcz-Laskowice) und Oleh Vasylyshyn (Schtschyrez).Anläßlich des 80. Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen haben die Bürgermeister der Partnerstädte Gudensberg (DE), Jelcz-Laskowice (PL) und Schtschyrez (UKR) bei einem Treffen in Polen eine dreiseitige Friedenserklärung unterzeichnet.

„Wir wollen alle gemeinsam in Frieden leben und den Frieden in Europa für unsere Kinder und deren Kinder bewahren und beschützen. Nur im Frieden können wir zusammenleben und zusammenarbeiten, uns besser kennenlernen und die Zukunft mit ihren schwierigen Aufgaben gestalten.“ Das sagte der Bürgermeister der Gudensberger Partnerstadt Jelcz-Laskowice, Bogdan Szczęśniak, bei der Unterzeichnung einer Friedenserklärung der drei Partnerstädte.

Am 1. September jährte sich zum 80. Male der deutsche Überfall auf Polen 1939, der den Beginn des II. Weltkriegs markiert. Dieser Krieg mit Millionen Ermordeten, Gefallenen, Entrechteten und Vertriebenen, mit Millionen Menschen, die körperlich und psychisch litten, ist der entscheidende Einschnitt des 20. Jahrhunderts in die Menschheitsgeschichte. Die Folgen dauern bis heute an.

Besonders betroffen war das polnische Volk. Deshalb war es ein sehr engagiertes Zeichen des Bürgermeisters von Jelcz-Laskowice, seine Amtskollegen zu den Gedenkfeierlichkeiten einzuladen. Er legte mit Bürgermeister Frank Börner aus Gudensberg und Oleh Vasylyshyn aus Schtschyrez einen Kranz am Ehrenmal nieder und besuchte mit ihnen einen Gedenkgottesdienst. Außerdem hatte Bürgermeister Szczęśniak eine Friedensdeklaration der drei Partnerstädte aus Polen, der Ukraine und Deutschland verfasst. Bei der Unterzeichnung der Deklaration war allen drei Bürgermeistern deren tiefe innere Betroffenheit anzumerken.

Bürgermeister Frank Börner (l.) und Stadtrat Karsten westrup legen einen Kranz nieder.In einem Interview erklärte Bürgermeister Oleh Vasylyshyn aus Schtschyrez in der Ukraine: „In der Ostukraine herrscht Krieg und täglich sterben dort Menschen. Die Krim ist von Russland besetzt worden und unsere Wirtschaft und Politik stehen vor großen Herausforderungen. Wir können sie nur meistern, wenn wieder Frieden einkehrt und wenn wir die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, mit Polen und Deutschland vertiefen können.“

Die Unterzeichnung fand im Rathaus von Jelcz-Laskowice statt, einer polnischen Stadt in der ehemals preußischen Provinz Schlesien. Diese Tatsache zeigt eine der Folgen des II. Weltkriegs: die riesigen territorialen Verschiebungen in Ost- und Mitteleuropa. Daran erinnerte Bürgermeister Frank Börner, der sich besonders für die Initiative und die Einladung seines polnischen Amtskollegen bedankte. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein deutscher Bürgermeister zu den Gedenkveranstaltungen zum verbrecherischen Überfall Nazideutschlands auf Polen eingeladen wird. Ich empfinde es als eine große Ehre, dass Bürgermeister Szczęśniak und der Stadtrat der Stadt Jelcz-Laskowice ihre Hand austrecken und uns reichen. Wir wollen aller Opfer des II. Weltkriegs und der Nazidiktatur gedenken und uns versprechen, alles dafür zu tun, dass der Frieden erhalten bleibt und in Kriegsgebieten wieder einkehrt. Ich fühle nicht nur den aufrichtigen Wunsch dazu, sondern als Deutscher auch eine tiefe innere Verpflichtung.“

Am Nachmittag besuchten die Bürgermeister und Delegationen die Schweidnitzer Friedenskirche und das Gut Kreisau. Hier hatten sich 1942/43 die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ getroffen und Pläne für ein Deutschland nach dem Untergang der nationalsozialistischen Herrschaft beraten. In Kreisau trafen sich 1989 der erste nichtkommunistische Ministerpräsident Polens, Tadeusz Mazowiecki, und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl zu einer Versöhnungsmesse. Das Gut Kreisau beherbergt heute nach der Renovierung eine Stiftung und eine Internationale Jugendbegegnungsstätte. In Kreisau trafen die Delegationen der Partnerstädte den deutschen Generalkonsul in Breslau, Hans Jörg Neumann, der sie auf ihrer Besichtigung begleitete. Er drückte seine Hochachtung über die Friedensdeklaration der Bürgermeister aus.

Friedenserklärung

Im Bewusstsein der schwierigen Geschichte unserer Völker, der bewaffneten Konflikte, des angetanen Leides und vergossenen Blutes erklären wir am 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs mit dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen unseren Willen zur Versöhnung, friedlichen Zusammenarbeit und zur Entwicklung der Freundschaft zwischen unseren Städten.

Wir wollen durch die Kontakte unserer Bewohner und gemeinsamen Initiativen vieler Menschen zur Aufrechterhaltung einer friedlichen Ordnung in Europa beitragen. Das Gedenken der Opfer des Zweiten Weltkrieges sei für unsere Völker eine Mahnung, nie wieder gegeneinander zu kämpfen!

Jelcz-Laskowice, 01.09.2019