Erster Spatenstich für Kita und DGH Maden: Stadt investiert 6,2 Mio. €

Erster Spatenstich für die neue Kindertagesstätte mit angeschlossenem DGH in Gudensberg-Maden (v.l.): Christian Gerlach (Architekt), Ortsvorsteher Michael Sonnenschein, Carmen Linsing (Gesamtleitung Kindergärten), Ralph Jäger (Geschäftsführer Netcom), Landrat Winfried Becker, Sarah Oeste (Kindergartenleitung), Walter Pippert (Stadtverordnetenvorsteher) und Bürgermeister Frank Börner. Foto: Rainer Sander „Nach einer langen Planungsphase von zweieinhalb Jahren ist es endlich soweit!“ Mit diesen Worten von Bürgermeister Frank Börner wurde der erste Spatenstich für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in der Stadt Gudensberg, die fünfgruppige Kindertagesstätte in Maden mit Dorfgemeinschaftshaus, begleitet.

Die Stadt Gudensberg schafft auf 1.605 Quadratmetern Nutzfläche einen modernen Kindergarten mit 1.172 Quadratmetern und ein Dorfgemeinschaftshaus (DGH) mit 433 Quadratmetern, die zum Teil auch vom Kindergarten mit genutzt werden. Ein 186 Quadratmeter großer Multifunktionsraum mit 142 Tischplätzen steht fast zur Hälfte (80 Quadratmeter) auch dem Kindergarten als Bewegungsraum zur Verfügung.

Multifunktional und gemeinschaftsfördernd
Die Kindertagesstätte reagiert, wie Architekt Christian Gerlach (Fritzlar) erklärt, sogar auf Hitze. Große und tiefe Vordächer, eine Dachbegrünung, außenliegender Sonnenschutz, der automatisch herunterfährt und ein System, welches das Gebäude nachts mit kühler Frischluft „durchspült“ sorgen dafür, dass Kinder und Mitarbeiter bei angenehmen Temperaturen spielen, kommunizieren, essen und arbeiten können.

Alle fünf Gruppenräume sind nach Südwesten ausgerichtet, zwischen den fünf Gruppen sind die WC- und Waschräume angeordnet. Schlafräume sowie behindertengerechte Toiletten gehören zum Standard, eine Kinder-Cafeteria allerdings zu den Besonderheiten, genauso wie der spezielle Wickelraum für Integrationskinder. Vier Differenzierungsräume, die Kinderküche und die Essensausgabe ergänzen das großzügige Raumkonzept, welches die aktuellen Erkenntnisse über Pädagogik, Bau und Energetik widerspiegelt. Damit, so Christian Gerlach, kann die Stadt auch im Wettbewerb um gute Kindergarten-Fachkräfte mit einem optimalen Arbeitsplatz punkten.

Die Baumaschinen in Maden rollten bereits an.Das Dorfgemeinschaftshaus ist mehrfach teilbar und bietet Funktionsräume für die Theatergruppe und den Sportverein. Der Schallschutz wurde nach innen und nach außen berücksichtigt. Die Kinder erhalten einen eigenen Spielgeräteraum, das Stuhllager kann bei komplett ausgelastetem DGH auch als Buffet-Raum genutzt werden. Das DGH erhält zusätzlich eine Außenterrasse. Vereine und Ortsbeirat können in einem eigenen Raum dort tagen. Sechs Luft-Wasser-Wärmepumpen und die Photovoltaikanlage auf dem Dach sorgen dafür, dass das Gebäude bis minus acht Grad autark arbeiten kann.

6,2 Mio. € zur Bedarfsdeckung und als Zukunftsinvestition
6,2 Mio. € lässt sich die Stadt das Projekt kosten, das bewusst – nach kontroverser Diskussion in der Konzeptphase – nicht in der Kernstadt, sondern im zweitgrößten Stadtteil Maden, auch mit Blick auf den Schulstandort Obervorschütz, realisiert wird. In Gudensberg ist nicht nur der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen, bedingt durch mehr Kinder und gesetzlich ausgeweitete Rechtsansprüche, gestiegen, auch das bestehende DGH ist eines der ältesten in Hessen überhaupt. Es entsprach nicht mehr den Bedürfnissen der Dorfgemeinschaft. Dass diese Dorfgemeinschaft gefestigt und aufgewertet wird, davon ist Bürgermeister Frank Börner überzeugt: Sieben neue Bauplätze, die als Puffer zwischen Alt- und Neubebauung entstehen, seien zusammen mit dem jetzt beginnenden Neubau ebenfalls eine Investition in die Zukunft.

Der Bürgermeister freute sich, dass auch Ralph Jäger beim Spatenstich dabei war. Die Netcom, deren Geschäftsführer er ist, sorgt dafür, dass schnelle Internetanbindungen auch auf dem flachen Lande und natürlich in diesem Projekt realisiert werden. Die Stadt hadert allerdings mit dem Land Hessen, dass animiert habe, zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen und einen Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen € in Aussicht gestellt hatte. Beim Land hat offensichtlich niemand die Gesamtkosten im Land hochgerechnet und jetzt warten viele Kommunen auf Bewilligungsbescheide, darunter auch die Stadt Gudensberg.

Den jungen Familien in Gudensberg sind wir es aber schuldig, das Projekt notfalls auch ohne diese finanzielle Unterstützung zu verwirklichen, sagte Frank Börner mit Hinweis auf die 6,2 Millionen € Gesamtkosten für das Projekt, wovon zwei Drittel auf den Kindergarten und ein Drittel auf das DGH entfallen. Das Erfreuliche: Bisher liegen die bereits vergebenen Arbeiten für Erdbau, Rohbau, Gerüstbau, Dachdecker und Estrich im veranschlagten Kostenrahmen.

Landrat Winfried Becker: Gudensberg ist beispielhaft
Auch Landrat Winfried Becker hatte es sich nicht nehmen lassen nach Gudensberg zu fahren. Die Entwicklung in Gudensberg betrachtete er als beispielgebend. Der Landkreis insgesamt gehöre zu den wenigen ländlich strukturierten Regionen in Hessen, die vom Effekt des demographischen Wandels kaum betroffen sind. Im Hinblick auf die Landesmittel setzt Becker auf das zwölf-Milliarden-COVID-19-Programm als letzte Hoffnung. (rs)