„Es geht um mehr als um ein gutes Programm“ Elke Michel-Elbe geht in den Ruhestand

Der Abschied von Elke Michel-Elbe fällt den Kollegen/innen aus dem Gudensberger Rathaus schwer.Mit Elke Michel-Elbe geht die Mitarbeiterin mit der (zurzeit) zweitlängsten Dienstzeit in der Stadtverwaltung Gudensberg in den Ruhestand. Mit einem herzlichen Dank für die geleisteten Dienste, vielen guten Wünschen und einem Präsent ist die Mitarbeiterin der Kulturabteilung nach mehr als 43 Jahren im Dienst der Stadt Gudensberg von Bürgermeister Frank Börner verabschiedet worden.

Daneben hielt der Bürgermeister viele lobende Worte für die Kulturmanagerin bereit, die sich vor rund 10 Jahren nach einem Wechsel in die Kulturarbeit in ein völlig neues Aufgabenfeld habe einarbeiten müssen. Mit ihrem besonderen Gespür für die Aufenthaltsqualität bei den verschiedenen Veranstaltungsformaten habe Elke Michel-Elbe mit ihrem Ehrenamtsteam durchweg für einen hohen Wohlfühlfaktor gesorgt: „Die Veranstaltungen in Gudensberg waren ‚hygge‘, lange bevor es diesen Trend gab.“

Elke Michel-Elbes Kreativität habe dafür gesorgt, dass das Kulturangebot nie langweilig wurde: „Durch den Ideenschmied Elke Michel-Elbe haben wir immer wieder neue Veranstaltungsformate ausprobiert, aber auch an bewährten gearbeitet, denn Kulturarbeit lebt von Verlässlichkeit“. Veranstaltungen wie die Oster- und Weihnachtsmärkte, besonders aber der Schmeckefuchs, hätten über die Jahre an Profil gewonnen und zögen inzwischen ein großes Stammpublikum an.

Elke Michel-Elbe (rechts) wird von Bürgermeister Frank Börner (l.) verabschiedet. Katarina Engelbrecht (2.v.l.) und Sabine Iffert bedankten sich im Namen der Kollegen/innen der Stadtverwaltung für die gute und mehr als kollegiale Zusammenarbeit. „Liebe Elke, wir werden Dich vermissen und danken Dir herzlich für Deine treuen Dienste sowie Deine kollegiale Haltung über eine so lange Zeit. Falls wir einmal nicht weiterwissen, wissen wir wenigstens, dass wir Dich fragen dürfen“, sagte Börner zum Abschied.
Der erste Abschied ist zugleich der letzte: Die Stadt Gudensberg war der einzige Arbeitgeber der gelernten Erzieherin, die bereits 1977 im Anschluss an die theoretische Ausbildung und dem berufspraktischen Anerkennungsjahr für Erzieher/innen im städtischen Kindergarten ihren Dienst aufnahm.

1982 wurde sie zur stellvertretenden Kindergartenleiterin berufen, ehe sie 1984 die Leitung übernahm. Nach einer Umstrukturierung der städtischen Kindertageseinrichtungen änderte sich ihr Aufgabenfeld: Mit einer halben Stelle erhielt die Pädagogin den Auftrag, das neugeschaffene Familienzentrum im Grabenweg zu verstärken und für diese Einrichtung ein Konzept zu erarbeiten.

Ab 2009 war sie dann mit je einer halben Stelle für das Familienzentrum sowie in der städtischen Kulturabteilung tätig. Ein wachsender städtischer Veranstaltungskalender mit vielen kleinen und großen Kulturevents machten nur wenige Jahre später die Konzentration auf dieses Aufgabenfeld erforderlich. Seitdem hat Elke Michel-Elbe zahllose Veranstaltungen auf der Märchenbühne, im Bürgerhaus sowie im Kulturhaus Synagoge geschultert, darunter die besonders vorbereitungsaufwändigen Märkte. Bis Mitte des nächsten Jahres baut Elke-Michel noch über die Jahre angesammelte Überstunden ab, dann erst beginnt ihre Rentenzeit.

„Ich habe immer auf vollen Touren gearbeitet“ – Ein Gespräch zum Abschied

Du bist ausgebildete Erzieherin, hast lange Zeit die städtischen Kitas geleitet und bist dann in die Kulturarbeit gewechselt – in welchem Bereich hast Du Dich eher zu Hause gefühlt?

Ich bin mit Leib und Seele Erzieherin. In diesem Beruf habe ich über 30 Jahre gearbeitet und verfügte da natürlich über sehr viel Berufserfahrung und Wissen. Im Kindergarten ging es darum, innerhalb der gegebenen Zeit eine gute Beziehung zu den anvertrauten Kindern und Eltern aufzubauen. Es ging um eine längerfristige und sehr intensive Arbeit mit den Menschen, um Beratung, Förderung, Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Institutionen und vieles mehr.

Die Arbeit im Bereich Kultur war für mich eine völlig neue Herausforderung. Allein für die Verwaltung gelten andere Regeln als in einer Kindertageseinrichtung. Da ich aber den Umgang mit Menschen liebe, sehr kreativ bin und gerne neue Dinge ausprobiere, hat mir auch diese Aufgabe sehr viel Freude bereitet. Auch bei der Kulturarbeit geht es darum, die Menschen zu erreichen und mit den unterschiedlichsten Kulturveranstaltungen zu „berühren“. Ich habe auch in dieser Zeit sehr viele liebenswerte Menschen kennen gelernt. Insbesondere die Feste und Märkte haben mir Freude bereitet, weil hier Handlungsspielraum war. Mir war im Kindergarten und auch in der Kulturarbeit wichtig, dass die Menschen sich wohl fühlen und eine gute Zeit haben.

Dann gab es eine Episode im Familienzentrum – welche Herausforderungen haben Dich dort erwartet?

Den Aufbau des Familienzentrums für eine begrenzte Zeit mit einer halben Stelle zu unterstützen, war nochmals eine besondere Herausforderung. Das Familienzentrum war neu und es gab noch keine Grundlage, auch kein finanzielles Polster. Die größte Herausforderung bestand darin, Projekte und Angebote zu entwickeln, die Menschen aller Altersgruppen erreichen. So hatte ich es hier nicht nur mit Vorschulkindern und deren Eltern, Geschwistern und Großeltern zu tun, sondern generationenübergreifend mit allen Altersgruppen. Das war eine spannende Zeit und eine große Herausforderung. Hier sind tolle Projekte entstanden wie die „Kinderkunstwerke“, Kochkurse mit Eltern oder Großeltern und Kindern, Silberschmiedekurse, pädagogische Abende, kulturelle Angebote und mehr.

Nun zur Kulturarbeit – was war Dir besonders wichtig?

Das habe ich eigentlich schon ein wenig in der zweiten Frage beantwortet: Die Menschen sollen sich bei den kulturellen Veranstaltungen wohl fühlen. Hier geht es um mehr als ein gutes Programm zu bieten. Die Gäste sollen ein gutes Ambiente vorfinden, freundlichen Menschen begegnen, leckere Getränke und Snacks sollen angeboten werden.
Es geht bei den Veranstaltungen, insbesondere den Festen darum, dass alles spielerisch und leicht für die Gäste rüberkommt. Eine Künstlerin sagte einmal zu unserem Märchenfest: „Das ist mein schönstes Event, weil alles so für die Besucher gemacht ist und so locker und unaufgeregt wirkt. Das überträgt sich auf die Besucher und es herrscht hier immer eine unvergleichlich entspannte Atmosphäre mit ganz vielen fröhlichen Menschen.“

Was sollte ein kommunales Kulturangebot leisten?

All das, was ich schon genannt habe. Das Programm sollte vielseitig sein und für alle Altersgruppen und alle Geschmäcker etwas bieten. Neben den kostenpflichtigen Veranstaltungen gehören auch immer Veranstaltungen ohne Eintritt dazu, wie beim Obernburgfest, den „Gudensberg Open“, dem Weihnachtsmarkt und vielem mehr. Zur Kulturarbeit gehört aber viel mehr als das Organisieren von Veranstaltungen. Es geht um die Zusammenarbeit mit den Ortsteilen, Kindergärten, Schulen, örtlichen Vereinen, Verbänden und anderen Kooperationspartnern.

An welchen Angeboten hast Du ganz besonders gehangen?

Zweifelsohne an den Kellerkonzerten, dem Weihnachtsmarkt, dem Märchenfest und dem Schmeckefuchs, die auch gleichzeitig am arbeitsintensivsten waren.

Welche Empfehlungen würdest Du Deinen Kollegen/innen mit auf den Weg geben? Wie sollten kulturelle Angebote in Gudensberg künftig aussehen?

So wie in den Punkten zuvor beschrieben. Ich würde mir den Mut wünschen, auch einmal Künstler zu nehmen, die auf Tournee sind und die man kurzfristig zu Konditionen bekommt, die sonst nicht möglich wären. Das allerwichtigste ist sicherlich das Herzblut, das man in jede Veranstaltung geben sollte. Die Menschen spüren das und es macht selber auch viel mehr Freude.

Alle Kolleginnen und Kollegen bewundern Dein Engagement, Deinen Arbeitseinsatz und deine Energie – fürchtest Du Dich nicht, in ein „Loch zu fallen“?

Sicherlich werde ich meine Arbeit sehr vermissen. Ich habe immer auf vollen Touren gearbeitet. Aber alles hat seine Zeit und ich möchte wieder mehr Luft für meine Familie und mich haben. Es wird eine große Umstellung für mich, aber ich habe immer Ideen und werde sicher wieder irgendwo aktiv sein.

Gibt es Pläne für die nahe und etwas fernere Zukunft?

Noch keine konkreten. Zunächst möchte ich seit langer Zeit einmal selber wieder die Adventszeit genießen, mich spontan verabreden können und etwas unternehmen. Ich freue mich darauf, Zeit für meinen Garten zu haben, der in den letzten 10 Jahren viel zu kurz gekommen ist. Auf jeden Fall möchte ich wieder regelmäßig Sport machen. Ich freue mich auch darauf, mehr Zeit in meiner zweiten Heimat in Schleswig-Holstein zu verbringen und Neues in der Welt zu entdecken.