Gudensberger Jugendliche erkunden ukrainische Partnerstadt Schtschyrez

Deutsche und ukrainische Jugendliche auf dem ehemaligen deutschen Friedhof von Schtschyrez. Foto: Elisa MandIn der vergangenen Woche waren 12 Jugendliche aus Gudensberg mit ihren Betreuern Lukas Giesler und Veronika Beier zu Gast in der ukrainischen Partnerstadt Schtschyrez. Sie trafen dort auf ukrainische Jugendliche, um sich kennenzulernen und gemeinsam Alltägliches und auch Außergewöhnliches in der ukrainischen Kleinstadt zu erkunden.

Wie machen sich Veränderungen, die Demokratisierung und die Konflikte im Land bemerkbar? Welche Spuren der gemeinsamen Geschichte gibt es? Diesen und anderen Fragen gehen die Jugendlichen nach. Elisa Mand, eine der Teilnehmerinnen aus Gudensberg, berichtet:

Tanz und Musik: Die Jugendlichen lernen ukrainische Traditionen kennen. Foto: Elisa MandSie sind angekommen in der ihnen unbekannten Welt der Partnerstadt Schtschyrez in der Ukraine: 14 Gäste aus Gudensberg wurden sehr herzlich und voller Erwartung von ihren ukrainischen Freunden am Flughafen von Lwiw in Empfang genommen. Die jungen Gudensberger haben gleich gespürt, dass es sich um eine Reise der besonderen Art handelt, einer Begegnung mit einer anderen Kultur und anderen Wertvorstellungen außerhalb der üblichen Touristikprogramme. Die gleichaltrigen Gastgeber sind sehr herzlich und freundlich, aber werden von den Gudensberger Jugendlichen als in ihrer Art reifer und ernster wahrgenommen.

„Die ukrainischen Jugendlichen haben eine tiefe Verbindung mit ihrem Land. Man merkt, dass ihr Leben in der Ukraine in anderen Bahnen verläuft als unsere behütete Jugend in einem friedlichen Land wie Deutschland“, berichtet Lucia Dietz, Teilnehmerin am Jugendaustausch. Der Krieg mit Russland hat seine Spuren hinterlassen: Die ukrainischen Jugendlichen müssen im Alltag viel Verantwortung tragen und fühlen sich für ihre Bevölkerung und ihren Staat mitverantwortlich. Bei der Begrüßungsansprache betonen die Gastgeber, dass die Ukrainer eine starke und stolze Nation sind, die sich ihre Eigenständigkeit nicht nehmen lassen will.

„Man spürt, dass unser Besuch für sie eine Ehre ist und ein Zeichen der Anteilnahme und Unterstützung der Deutschen für ihr Land“, so Lucia Dietz. Ziel dieser Begegnung ist es, das Miteinander einer jungen Generation über Ländergrenzen hinweg zu stärken, die Kultur und Traditionen ihrer Gastgeber kennenzulernen und damit einen kleinen Beitrag zur europäischen Verständigung zu leisten.

Eine neue Identität entsteht: Betreuerin Iryna Mykytka (l.) erläutert mit einer Kollegin die ukrainische Fahne.Als die Jungen und Mädchen aus Gudensberg ihre Partnerstadt Schtschyrez erkunden, treffen sie auf ältere Leute, die ein wenig deutsch verstehen. „In Schtschyrez gab es bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs eine deutsche Kolonie mit dem Namen Rosenberg“, erklärt die ukrainische Betreuerin und Dolmetscherin Iryna Mykytka. Auf dem Friedhof dieser Kolonie übersetzen die Jugendlichen mit Hilfe ihrer ukrainischen Freunde die Grabinschriften in die Landessprache.

„Diese Übersetzungen sollen zukünftig Besuchern, die sich für die deutsche Geschichte interessieren, zugänglich gemacht werden“, erzählt Iryna Mykytka. Ein Landausflug auf steinigen Pfaden: Der Besuch der mitteleuropäischen Hochgebirgskette der Karpaten zeigte den Jugendlichen, wie die Menschen abseits der großen Städte heutzutage leben. „Es gibt dort neben der großartigen Natur viele kleine Dörfer ohne zentrale Wasserversorgung. Jede Familie betreibt einen eigenen Ziehbrunnen und baut ihr Gemüse zur Selbstversorgung an“, beschreibt Teilnehmer Max Fröhlich seine Eindrücke vom Leben der Menschen auf dem Land.

Die Jugendlichen haben einen sehr offenen und freundlichen Umgang miteinander. „Die Verständigung ist leichter als noch im letzten Jahr, weil die Ukrainer fleißig daran üben, ihre Deutsch- und Englischkenntnisse zu verbessern. Sie sind sehr interessiert an Westeuropa und unserer Art zu Leben“, so Max Fröhlich. Gemeinsam besuchen die Jugendlichen die international bekannte Universitätsstadt Lwiw, kochen zusammen ukrainische Nationalgerichte, singen und tanzen bei jeder Gelegenheit. „Die Ukrainer werden nie müde, wenn es um das Singen und Tanzen geht. Wir sind dann etwas beschämt, weil wir nicht über das Repertoire an Volksliedern verfügen, das für die Ukrainer selbstverständlich ist. Manchmal musste daher schon das eine oder andere Kirmeslied herhalten“, so Betreuerin Veronika Beyer.

Ein besonderes Erlebnis steht für die Jungen und Mädchen aus Gudensberg noch aus: Sie werden ihre ukrainischen Freunde im Rahmen ihrer Projektarbeit zur Geschichte und den Werten der Ukraine zuhause besuchen und sind schon ganz gespannt auf ihren realen Alltag. „Wir sind komfortabel in einem Hotel untergebracht. Das ist noch nicht die Realität für viele Menschen in diesem sympathischen, aufstrebenden Land – aber sie werden es schaffen und wir wünschen es ihnen“, sagt Veronika Beier.