Holzschnitzen mit der Kettensäge

Die Studierenden aus Schneeberg bei der Arbeit mit der Kettensäge. Fotos: Rainer SanderWer meint, das Holzschnitzen nur mit Schnitzmesser, Stechbeitel, Feile und Schmirgelpapier geht, kann sich alle zwei Jahre in Gudensberg eines Besseren belehren lassen. Dann kommen Kunststudenten der Westsächsischen Hochschule Zwickau nach Gudensberg und lassen es krachen beziehungsweise dröhnen!

Am Hochschulstandort Schneeberg kann man Kunst studieren und nur hier gibt es bundesweit ein Angebot in der Fachrichtung Holzgestaltung. Schon seit neun Jahren sind Studenten des Studiengangs Produktdesign in der Fachrichtung Holzgestaltung regelmäßig zu Gast im Chattengau. Unter der Leitung von Diplom-Holzgestalter Jens Gebhardt fand vom 28. September bis 2. Oktober rund um das Schützenhaus am Lamsberg – turnusmäßig in diesem Jahr – für Studentinnen und Studenten des Studienstandortes Schneeberg hier ein Workshop der ganz besonderen Art statt.

Stadt Gudensberg fördert und erhält Exponate
Bei dem Workshop geht es fünf Tage lang lang richtig laut zu. Dann tauschen die Studenten aus dem Erzgebirge, die hier aus ganz Deutschland zusammenkommen, Schnitzwerkzeug gegen Kettensäge und toben sich PS-stark an ihrem Lieblingswerkstoff aus. Aus Baumstämmen, in diesem Fall Eichen, wird künstlerisches geformt. In früheren Jahren gab es schon Märchenskulpturen, zurzeit sind vor allem Sitzgelegenheiten unterschiedlichster Art gefragt. Die Stadt Gudensberg ermöglicht alle zwei Jahre dieses besondere Angebot für die Studenten, stellt das Material und die Studentinnen und Studenten haben einen Ort zum Lernen. Am Ende profitiert wieder die Stadt, weil die Exponate hierbleiben und anschließend das Stadtbild verschönern und aufwerten.
Wer aufmerksam durch die Stadt geht, findet inzwischen einige Holzskulpturen und Sitzmöbel, die alles andere als gewöhnlich sind, aber durchweg etwas Besonderes und Schönes darstellen. Sehenswertes entstand auch diese Woche wieder am Lamsberg und wer in den letzten Tagen dort spazieren ging, stellte zurecht fest, dass fünf Kettensägen zusammen keine Kammermusik ergeben.

Erfolgreicher Workshop (v.l.): Manfred Müller, Stadtrat Günther Hempel, Clara Meinhold, Ausbilder Jens Gebhardt, Anna Wibke-Münz, Lian Shu und Felix Knorn.Kettensägenführerschein inklusive
Da geht es richtig zur Sache, da wird auch mal die Axt zur Hand genommen. Wer beobachtet, mit wieviel Feingefühl man eine Kettensäge führen kann, damit sie den Werkstoff quasi streichelt, um dann wieder große und Tiefe Schnitte zu setzen, könnte Gefallen daran finden, im eigenen Garten mal etwas auszuprobieren. Doch Achtung, die Gerätschaften sind nicht ganz ungefährlich. Deshalb ist de Kettensägenführerschein bei dem Lehrgang inklusive. Am Ende können die Studenten faszinierende Gegenstände, sogenannte experimentelle Sitzgelegenheiten, präsentieren. Schließlich ist auch die Fantasie der Studentinnen und Studenten gefragt und die haben sie reichlich mitgebracht.

„Social Distancing“
Anna Wibke-Münz hat die aktuelle Corona-Situation in ihre Gestaltung einfließen lassen. Sie hat die Rundung eines Baumstammes im 1,5-Meter-Abstand aufgebrochen und eine Sitzgelegenheit geschaffen, in der man Nähe findet, sich aber nicht zu nahe kommt. Assoziationen mit einem Bob oder einem Flugzeug kommen beim Betrachten auf.

Die Raupe Nimmersatt
Clara Meinhold hat Baumscheiben so gefräst, dass sie aneinander gelegt eine Raupe ergeben. Ihr Wunsch ist, dass ihr Sitzmöbel in einem Kindergarten kommt, wo die Raupe Nimmersatt immer noch eine der beliebtesten Geschichten ist.

Stamm-Liege
Manfred Müller hat aus einer 150 Jahre alten Eiche eine Liege geformt, die Wanderern und Radfahrern unterwegs die Rast verschönern soll. Von der Form her dient sie vor allem dazu, den Himmel zu beobachten und die Seele baumeln zu lassen.

Makramee auf Holz
Mit viel Akribie ist Lian Shu zu Werke gegangen. Mit feinen Schnitten hat sie einen Baumstamm eingeritzt und neue Strukturen, fast Makramee-artig, geschaffen. So wechseln sich die Sitzflächen mit organischen Strukturformen ab.

Holzknäuel
Felix Knorn ist bereits gelernter Holzbildhauer und war in der Produktion von Spielplatz-Geräten beruflich tätig. Jetzt will er mit dem Bachelor Studium ein Stück weiterkommen. Seine Erfahrung sieht man dem geflochtenen Zopf, der aus einem Holzknäuel zu entspringen scheint und am Ende verstrickt wird. Er hofft, dass auf seiner Sitzgelegenheit die Kinder auch herumklettern werden.

Für den Magistrat und den gastgebenden Schützenverein begleitete Günter Hempel die Studentengruppe, die leider wegen Krankheit von zwei Studenten dezimiert anreisen musste. Die Bürger und Besucher Gudensberg werden die neuen, kreativen Holzobjekte in und um ihre Stadt bewundern können. (rs)