Der Chattengau
Der Chattengau
Das Bild der Landschaft rund um Gudensberg ist ein ganz besonderes: Aus einer weiten Ebene, die sich von Kassel im Norden bis nach Fritzlar im Süden erstreckt, ragen imposante Basaltkegel empor. Diese Kuppen mit ihren herrlichen Aussichten sind Zeugnisse einer urzeitlichen Vulkanlandschaft.
Schon immer war diese fruchtbare, einladende Region attraktiv für Menschen. Seidem unsere Urahnen sesshaft geworden sind und Ackerbau betrieben, schufen sie sich hier ein Zuhause. Das zeigen spektakuläre archäologische Funde im Neubaugebiet zwischen Gudensberg und Maden (Steinzeitsiedlung). Ausgewählte Exponate dieser Ausgrabungen wie das "Gudensberger Kind" werden im Naturkundemuseum in Kassel präsentiert.
Auch heute noch spielt die Landwirtschaft in unserer Heimat, dem Chattengau, eine wichtige Rolle. Sie prägt die Kulturlandschaft und liefert die Produkte für die geschätzte, gutbürgerliche nordhessische Küche mit ihren „Schmeckewöhlerchen“.
Die umliegenden Ackerflächen, auf denen vorwiegend Getreide, Raps und Kohl angebaut wird, sind eingebettet in das idyllische Kurhessische Bergland. Das bewaldete, weit nach Norden reichende Stadtgebiet von Gudensberg gehört zum Naturpark Habichtswald. Der lädt mit seinen ruhigen Wäldern zum Naturerleben und Wandern ein. Zahlreiche Quellen, Bäche und Flüsschen durchströmen unser Land – neben den fruchtbaren Böden ein weiterer Grund für die frühe Besiedlung.

Das Gudensberger Kind
Das sogenannte „Steinzeitkind von Gudensberg“ gehört zu den eindrucksvollsten archäologischen Funden der Region Nordhessen. Im Jahr 2007 stießen Archäologinnen und Archäologen bei Erschließungsarbeiten für ein neues Wohngebiet auf eine überraschende Entdeckung: die Überreste einer bandkeramischen Siedlung aus der Jungsteinzeit – rund 7.500 Jahre alt. Damit öffnete sich ein Fenster in eine Zeit, in der die ersten Bauern und Siedler dauerhaft in unserer Region lebten.
Die Ausgrabungen brachten zahlreiche Funde ans Licht. Besonders bedeutend waren mehrere Bestattungen: Insgesamt wurden die Überreste von drei Männern, zwei Frauen und einem Kleinkind entdeckt. Die Gräber geben einen seltenen Einblick in das Leben – und Sterben – der Menschen in der frühen Jungsteinzeit.
Große Aufmerksamkeit erhielt vor allem das Grab des etwa zweijährigen Kindes, das heute als „Steinzeitkind von Gudensberg“ bekannt ist. Dieser Fund berührt viele Menschen bis heute. Das Kind war in sogenannter linksseitiger Hockerstellung bestattet worden: Die Gliedmaßen lagen angewinkelt, die kleinen Handknochen befanden sich unter dem Schädel. Die Lage des Körpers wirkt beinahe so, als habe man das Kind vorsichtig und liebevoll zur Ruhe gebettet. Gerade diese Menschlichkeit macht den Fund so besonders – denn sie zeigt, dass Fürsorge, Trauer und familiäre Bindung schon vor Jahrtausenden zum Leben der Menschen gehörten.
Das Geschlecht des Kindes konnte nicht bestimmt werden. Auffällig waren jedoch gräuliche knöcherne Auflagerungen am oberen Ende des linken Oberschenkels. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass möglicherweise Krankheiten wie Skorbut oder Rachitis vorgelegen haben könnten. Ob dies tatsächlich die Todesursache war, bleibt allerdings ungewiss. Heute wird das Steinzeitkind auch im Naturkundemuseum im Ottoneum Kassel thematisiert. Dort erinnert der Fund daran, welch lange und geschichtsträchtige Vergangenheit die Region Gudensberg besitzt. Das kleine Kind aus der Jungsteinzeit ist damit weit mehr als ein archäologischer Fund: Es ist ein stiller Botschafter aus einer längst vergangenen Welt – und zugleich ein berührendes Zeugnis menschlichen Lebens vor 7.500 Jahren.
